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Digitalisierung im Bankensektor: Nachholbedarf bei Abwicklung komplexer Finanzprodukte

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Während deutsche Banken einfache Bankgeschäfte heute schon online oder mobil abwickeln können, herrscht bei komplexen Finanzprodukten bei vielen Banken noch Nachholbedarf. Die Retail Banking-Studie "Executive Retail Banking Survey: Digital Transformation" zeigt, warum die Digitalisierung bei deutschen Banken schnell erfolgen muss, wenn sie gegenüber den dynamischen digitalen Wettbewerbern nicht ins Hintertreffen geraten wollen. Das Leistungsspektrum der deutschen Banken in Sachen Kontoeröffnungen oder Kreditkartenanträgen via Internet oder mobil ist besser als das der europäischen Banken. Komplexere Finanzgeschäfte wie Versicherungsabschlüsse oder Kreditverträge werden durch hohe regulatorische Anforderungen, manuelle Prozesse und veraltete Systeme erschwert. Da die Kunden eine genauso schnelle, flexible und zuverlässige Abwicklung ihrer Geschäfte wie bei Online-Händlern erwarten, geraten die Banken unter Druck.

Kundendaten werden nicht ausreichend zur Verbesserung von Produkten und Services genutzt
Im ersten Schritt der Digitalisierung lag der Fokus der deutschen Banken in erster Linie auf den einfachen Produkten. Aber die im Zuge dessen gesammelten Kundendaten werden nicht ausreichend zur Optimierung von Produkten und Services genutzt. Eine permanente Analyse des Online-Verhaltens der Kunden erfolgt nur bei rund 45 Prozent der deutschen Banken. Wird von der Filiale zum Online-Banking gewechselt, erfolgt kaum eine Weiterverwendung der historischen Daten des Kunden. Das Problem ist nicht der Zugang zu digitalen Technologien, sondern Widerstände innerhalb der Organisation gegen die Veränderung von Bestehendem. Bei den deutschen Banken herrscht großer Nachholbedarf in Sachen systematische Auswertung vorhandener Kundendaten und Vorbereitung der Organisation für neue, digitale Produkte.

Digitalisierung weniger Wertreiber als Ergänzung zum traditionellen Geschäft
Mithilfe von digitalen Innovationszentren oder der Beteiligung an Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen wollen die Banken die Digitalisierung vorantreiben. Verglichen mit anderen europäischen Banken sind deutsche Banken zurückhaltender und haben diese Initiativen erst spät gestartet. Deshalb lässt sich noch nicht abschätzen, ob die Investitionen sich wirklich bezahlt machen. Aktuell fließen bei einem Drittel der Banken bis zu 20 Prozent des IT-Budgets in die Digitalisierung. Im Vergleich mit anderen Branchen ist das ein geringer Anteil, was allerdings auch durch die steigenden regulatorischen Anforderungen, die hohe Investitionen in bestehende oder neue IT-Systeme erfordern, bedingt wird. Außerdem stellt die Digitalisierung für die Studienteilnehmer eher eine Ergänzung zum traditionellen Geschäft als einen zusätzlichen Werttreiber dar. Ein Drittel der deutschen Banken erwartet ein Umsatzwachstum von weniger als zwei Prozent. Ohne innovative Angebote werden die Kunden zu digitalen Wettbewerbern wechseln, was die Umsätze senkt. Die Vorteile der Digitalisierung liegen nach Meinung der Banken eher auf der Ertragsseite. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld sinken die Margen, die Cost-Income-Ratio lässt sich durch die Kostensenkung danke der Digitalisierung der Prozesse verbessern.

Schnelle Anpassung des Geschäftsmodells nötig
Die Banken müssen ihr Geschäftsmodell schnell anpassen, da neue, branchenfremde Wettbewerber innovative Angebote aus einer Hand in petto haben. Ende 2014 lag das globale Investitionsvolumen in FinTech-Unternehmen bei über 10 Milliarden Dollar, womit es in einem Jahr fast verdreifacht hat. Die neuen digitalen Geschäftsmodelle der neuen Wettbewerber könnten die europäischen Banken 20 bis 30 Prozent ihrer Erträge und den Zugang zu online-affinen Kunden kosten, wenn keine Reaktion erfolgt. Sieben Faktoren können bei der erfolgreichen Transformation helfen. Indem das Kundenverhalten über alle Kanäle hinweg ausgewertet wird, lassen sich Kundenbedürfnisse besser filtern, womit der ideale Zeitpunkt für eine individuelle Kundenansprache gefunden werden kann. Durch die schwierigere Neukundengewinnung in den letzten Jahren ist es nötig, dass innovative Ideen zur Neukundengewinnung entwickelt werden. Eine Optimierung der Geschäftsmodelle reicht nicht aus, es müssen das Wachstum forciert und neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Die Kooperation mit branchenfremden digitalen Playern oder FinTech-Unternehmen verschafft den Banken Zugang zu innovativen Ideen und der Denkweise der "Digital Natives". Fehler sollten eher als Chance betrachtet werden, denn nur dann ist eine Weiterentwicklung von Organisationen im sich ständig wandelnden digitalen Umfeld möglich. Durch die Digitalisierung wird ein ganz neuer Kundenservice möglich. Damit diese Chancen genutzt werden können, ist ein Kulturwandel in den Banken nötig. Bei der Digitalisierung müssen alle Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zum BackOffice eingeschlossen werden, damit eine schnelle und zuverlässige Abwicklung komplexer Finanzprodukte möglich wird.

Quelle: PM Roland Berger

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